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Anstoßen auf einen gelungenen Abend
Nahezu bis auf den letzten Platz besetzt war der Alfons-Fügel-Saal, als Stadtverbandsvorsitzender Günter Bamberg beim Neujahrsempfang am 10.01.2011 die Gäste aus Filderstadt und zahlreichen Nachbarkommunen begrüßte. In seiner Begrüßungsansprache setzte er einige Schlaglichter zur Fraktionsarbeit im vergangenen Jahr, dass den Gemeinderäten, und insbesondere den Freien Wählern als stärkster Fraktion, einige Entscheidungen abgerungen hat, die wahrlich nicht leicht waren.
Als Freie Wähler waren wir dabei manchmal eine unbequeme Fraktion, weil wir Dinge hartnäckig hinterfragt haben, uns gegen noch höhere Belastungen gewehrt haben oder andere Alternativen in Entscheidungsprozessen berücksichtigt sehen wollten. Dabei galt es für die immerhin ehrenamtlich tätigen und engagierten Fraktionsmitglieder stets zwischen der Zukunftssicherung unserer Stadt, Interessengruppen aus der Bürgerschaft und dem Gesamtinteresse der Bürgerinnen und Bürger abzuwägen und gelegentlich, wie dies im politischen Alltag im Ringen um Mehrheiten gang und gäbe ist, auch mal zähneknirschend einen Kompromiss zu akzeptieren.
Im weiteren Verlauf seiner Begrüßung wies er auf das Motto der Freien Wähler „Wir sind herzlich gerne Filderstädter“ hin. “Mit der Gebietsreform 1975 wurden fünf bis dahin eigenständige Gemeinden zu einer Stadt zusammengeführt. In den vergangenen 35 Jahren haben sich die Stadtteile erfreulicherweise immer mehr aufeinander zu bewegt, was durch zahlreiche stadtteilübergreifende Zusammenarbeiten und Kooperationen bei Vereinen, Organisationen, Gewerbetreibenden und nicht zuletzt dem Integrierten Stadtentwicklungkonzept kurz ISEK genannt, belegt wird. Dieses Zusammenwachsen unserer Stadt, zugleich aber die Wahrung der Identität der Stadtteile, ist eines unserer Ziele und dafür werden wir uns auch in Zukunft engagieren. Daher werden nicht alle unsere Fraktionsmitglieder oder Verantwortliche im Stadtverband nach Plattenhardt ziehen, und daher werden wir vielleicht auch weiterhin immer wieder Denkanstöße geben, die heute noch belächelt werden.”
Als letzten Themenkreis sprach Günter Bamberg die in wenigen Wochen bevorstehende Landtagswahl in Baden-Württemberg an, bei dem sicherlich das Projekt Stuttgart 21 eines der beherrschenden Themen sein wird, und möglicherweise manch anderes, eventuell noch wichtigeres Thema aus Bund und Land, überdeckt.
„Der Freie Wähler-Landesverband Baden-Württemberg hat sich klar gegen eine Parteigründung und eine Kandidatur bei der Landtagswahl 2011 ausgesprochen. Wir, als Stadtverband Filderstadt, haben diese Entscheidung begrüßt und unterstützt“, so Günter Bamberg. Und weiter: „Wir werden den Kandidaten als überparteiliche und unabhängige Wählervereinigung dennoch sehr genau auf die Finger schauen und auch unseren Finger bzw. unsere Stimme erheben, wenn es uns im Sinne der Bürgerinnen und Bürger geboten erscheint. So könnten wir es uns z.B. sehr gut vorstellen, den Kandidatinnen und Kandidaten unseres Wahlkreises einen Fragenkatalog zu übermitteln und anschließend eine moderierte Podiumsdiskussion als Infoveranstaltung zur Landtagswahl mit den Kandidatinnen und Kandidaten durchzuführen, um so auch der zunehmenden Politikverdrossenheit und der gefühlten Kluft zwischen „denen da oben und denen da unten“ entgegenzuwirken. Sicherlich wird es dabei dann auch um Bildung, Kinderbetreuung, Wirtschaftsförderung, öffentlichen Nahverkehr, Verkehrs- und Straßenentwicklungsplanung in unserer Region und in unserer Stadt gehen.“
Zu Stuttgart 21 führte er abschließend noch aus: „Stuttgart 21, dessen gewalttätigen Auswüchse im vergangenen Jahr wir aufs schärfste verurteilen, wird uns hier auf den Fildern konkret über das Teilprojekt Stuttgart-Ulm mit dem Filderbahnhof und der Möglichkeit einer S-Bahnverlängerung betreffen.“
In seinem Grußwort ging danach der Landesvorsitzende der Freien Wähler, Heinz Kälberer, in seiner bekannt launig-humorvollen Art auf die Entscheidung des Landesverbandes ein, nicht als "Partei" bei der Landtagswahl anzutreten. Auch und gerade als stärkste kommunale Kraft in Baden-Württemberg sehen sich die Freien Wähler zunächst in den Kommunen und direkt bei den Bürgerinnen und Bürgern verpflichtet. Der LV wird zur Landtagswahl keine „Wahlempfehlung“ abgeben, sondern besonders dafür werben, dass die Wahlbeteiligung wieder ansteigt, die Politikverdrossenheit zurückgeht und die Wählerinnen und Wähler wieder von ihrem Recht Gebrauch machen, mit ihrer Stimme die Politik und die Zukunft unseres Landes mitzubestimmen.
Mit Spannung erwartet, ergriff anschließend der Hauptredner des Abends, Dr. Udo Andriof das Wort und schlug in seinem Vortrag einen weiten Bogen zur Entwicklung der Region und Filderstadts von der Vergangenheit über die Gegenwart bis in die (mögliche) Zukunft. Dabei waren ihm die Themen wirtschaftliche Entwicklung, Bildungspolitik, Lebensqualität, Arbeitsmarkt usw. ebenso wichtig, wie Ausbau der B27 oder die schon langjährige Diskussion über eine Ost- oder Westumfahrung von Sielmingen. Auch wenn Dr. Andriof Sprecher des Bahnprojektes Stuttgart-Ulm ist und natürlich auch hier mit interessanten Daten und Fakten aufwarten konnte, zeigte sein Vortrag doch den großen Erfahrungsschatz seiner 18-jährigen Amtszeit als Regierungspräsident und seine auch heute noch vorhandene Nähe zur Region und ihren Kommunen, besonders auch zu Filderstadt. Bedauerlicherweise wurde in Teilen der Presse aus seinem Vortrag, wie auch aus den Vorträgen der anderen Redner, fast ausschließlich Zitate zum Themenkreis Stuttgart 21 veröffentlicht und somit ein äußerst einseitiges und keineswegs realistisches und ausgewogenes Bild des Neujahrsempfanges dargestellt.

Aus dem Kreistag und von der Arbeit der Freie Wähler-Kreistagsfraktion berichtete anschließend EBM Dieter Lentz, der in einigen Punkten an seinen Vorredner anknüpfen und auf Kreisebene erweitern konnte. So ging er z.B. auch auf die aktuelle Diskussionen über die Stromversorgung, die Kreisumlage sowie die Neuordnung der Notfallversorgung mit den Neu- und Umbauten sowie der Neustrukturierung der Kreiskrankenhäuser ein.
Das (fast) letzte Wort hatte dann unser Fraktionsvorsitzender Rolf Kurfess, der sich selbst die kürzeste Redezeit gestattete.
Allen Kolleginnen und Kollegen vor und hinter den Kulissen ein herzliches Dankeschön für diesen rundum gelungenen Neujahrsempfang, der natürlich nach den schon traditionellen Maultaschen mit Kartoffelsalat und vielen interessanten Gesprächen und Begegnungen erst spät am Abend seinen Ausklang fand.
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